Leyla Gül, Co-Generalsekretärin SP Schweiz

Kolumne

– von Leyla Gül, Co-Generalsekretärin SP Schweiz

Dieses Jahr ist Landesstreik-Jubiläum, die Geburtsstunde der sozialen Schweiz. Als Geburtsstunde der sozialen Schweiz können wichtige Errungenschaften wie die AHV, Gesamtarbeitsverträge oder die Einführung einer Erwerbsersatzordnung nur vor dem Hintergrund des Landesstreiks gesehen werden. 

Errungenschaften, die dank den 250‘000 Menschen erreicht wurden, die 1918 den Mut hatten, die Arbeit niederzulegen und für diese Forderungen und ihre Idee einer gerechten und sozialen Gesellschaft einzustehen. Sie hatten Angst und viele von ihnen hatten Hunger. Sie haben es trotzdem getan.

In den nächsten Monaten wird weiterhin vieles zum Thema Landesstreik passieren. Anlässe, Publikationen, Tagungen, Forschungsprojekte, Ausstellungen, Podien, ein Theaterprojekt und SRF hat kürzlich eine Doku-Fiction dazu ausgestrahlt.

Es wird aber auch viel Kritik geben. Die Linke feiere sich selbst. Die Linke feiere eine Niederlage. Kurzum: Es wird viel Unsinn geschrieben werden. Da werden wir drüber stehen müssen. Und wir werden den Landesstreik trotzdem zum Thema machen.

Unbestritten war der Landesstreik eine der schwersten innenpolitischen Krisen des Bundesstaates; er erinnert an das Bild einer zerstrittenen Schweiz am Rande des Bürgerkriegs. Umso wichtiger ist, dass wir uns auch an seine positiven Folgen erinnern. Allein schon aus dem Grund, da ohne Erinnerungen weder die Gesellschaft noch gute Politik funktionieren. „Ein Land braucht Erinnerung, so wie jeder Einzelne Erinnerung braucht. Wenn ich nicht weiss, wo ich herkomme, weiss ich nicht, wer ich bin“, schreibt Peter von Matt. Und spätestens seit der AHV-Abstimmung ist klar, dass es die Erinnerung auch braucht, um das Wissen über den Wert einer Errungenschaft zu festigen. Menschenrechte, Sozial- und Rechtsstaat, ja selbst die Demokratie müssen immer wieder erklärt werden. Nichts davon ist eine Selbstverständlichkeit, nichts davon währt ewig, wenn die Abstimmung gewonnen, die Errungenschaft etabliert ist. Es braucht die Erinnerung und das Wissen darüber, was passiert, wenn die Errungenschaft nicht mehr da ist. Sich erinnern heisst deshalb immer auch für das kämpfen, was uns wichtig ist. Der Landesstreik wird deshalb nicht nur die Geschichte der Geburtsstunde der sozialen Schweiz erzählen, sondern auch über die Herausforderungen von heute.

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