Blogbeitrag von Muriel Günther, Bieler JUSO-Stadträtin, 23. März 2018

 

Die JUSO in der Offensive

„In einem System, das dir jeden Tag sagt, dass es keine Alternativen gibt, ist nichts revolutionärer als an Alternativen zu glauben, von Alternativen zu träumen und für Alternativen zu kämpfen.“ Das sagt Tamara Funiciello zu den 9 Forderungen, die die JUSO Schweiz vor einer Woche an ihrer Jahresversammlung verabschiedet hat.

Die Forderungen sind revolutionär und visionär. Sie zeigen, wie sich die JUSO die Welt bis in 100 Jahren vorstellt und wohin sie will: Hin zu einer feministischen Zukunft, einer gerechten Verteilung von Ressourcen und damit auch weg vom kapitalistischen System.

 

Für die Ausarbeitung der 9 Forderung nahm sich die JUSO viel Zeit: Anfang Dezember rief sie die Öffentlichkeit dazu auf, Ideen einzureichen und damit zu zeigen, wie sich unsere Zukunft gestalten soll. Rund 350 Forderungen gingen in dieser Phase ein und dienten der JUSO-Basis als Inspiration für 60 Forderungen, über die die Delegierten an der Jahresversammlung diskutierten. Nach einem zweitägigen Wahlprozedere standen die 9 neuen Forderungen fest.

 

Die Diskussion war hitzig, engagiert und fundiert. Rund 200 Delegierte aus der ganzen Schweiz waren anwesend, um an diesem richtungsweisenden Entscheid teilzuhaben und noch weit mehr Menschen waren im gesamten Prozess eingebunden. Ganz anders also als beim Oltener Aktionskomitee, welches 1918 die damaligen Forderungen beschloss und aus wenigen und ausschliesslich männlichen Mitgliedern bestand.

 

Die JUSO ist keine exklusive Altherrenrunde – sie ist demokratisch, feministisch, antikapitalistisch und voller Elan. Genau deswegen wird sie in den nächsten 100 Jahren unsere Gesellschaft verändern.

Generalstreik reloaded – das sind die

9 Forderungen der JUSO:

1. 25h-Woche

2. Volkspension

3. Ökologischen Fussabdruck auf unter 1 Erde reduzieren

4. Abschaffung der Armee

5. Gratis Bildungs- und Gesundheitswesen

6. Boden verstaatlichen

7. Frauen*quoten in Politik und Wirtschaft

8. Staatsbürger*innenschaft für alle

9. Erbschaftssteuer: Steuersatz 100%

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Blogbeitrag von Adrian Zimmermann, Historiker, 5. März 2018

Der Kontext des Landesstreiks

In den vier Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg wurden in allen industrialisierten Staaten die Arbeiterinnen und Arbeiter zu einer organisierten Macht. Sie schlossen sich in Gewerkschaften zusammen und gründeten sozialistische, sozialdemokratische oder Arbeiterparteien.

 

Darum waren sie recht gut darauf vorbereitet, im Ersten Weltkrieg den Kampf gegen dessen wirtschaftliche und soziale Folgen aufzunehmen: Ab 1916 häuften sich in den kriegsführenden und in den neutralen Staaten Streiks und andere Proteste gegen die mangelhafte Lebensmittelversorgung und die Teuerung. Frauen spielten dabei eine wichtige Rolle, so etwa bei den Marktdemonstrationen im Sommer 1916 in Bern, Biel, Grenchen (SO), Thun und Zürich. Eine Hungerdemonstration von Arbeiterinnen stand im März 1917 auch am Anfang der russischen Revolution. In den Jahren 1917-1920 kam es zur wahrscheinlich grössten Welle von Protesten, Streiks und Revolutionen in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Diese erfasste auch die Schweiz: Ein erster Höhepunkt waren die am 30. August 1917 landesweit während der Arbeitszeit durchgeführten Teuerungsdemonstrationen. Nachdem Ende 1917 Pläne für eine allgemeine Zivildienstpflicht bekannt geworden waren, bildeten Gewerkschaften und Partei am 4. Februar 1918 gemeinsam das Oltener Aktionskomitee (OAK). Mit Generalstreikdrohungen gelang es dem OAK im Frühling und Sommer 1918 bedeutende, aber immer noch unzureichende Verbesserungen der Nahrungsmittelversorgung durchzusetzen.
 
Der Streik des Zürcher Bankpersonals (30. September und 1. Oktober 1918) und die Ende Oktober ausbrechenden Revolutionen in Deutschland und Österreich-Ungarn versetzten das schweizerische Bürgertum in Angst: Am 6. November 1918 beschloss der Bundesrat, Bern und Zürich militärisch zu besetzen. Das OAK reagierte darauf mit dem Proteststreik vom 9. November. An dem selben Tag wurde in Berlin der Kaiser gestürzt. Am 11. November endete der Erste Weltkrieg, am Tag danach begann in der Schweiz der dreitägige Landesstreik.

*Zivildienstpflicht: Der (dank dem Druck der Arbeiterbewegung schliesslich nie umgesetzte) Plan sah vor, eine Zivildienstpflicht für die ganze männliche und weibliche Bevölkerung zwischen dem 14. und 60. Altersjahr einzuführen. Damit wären die notwendigen Arbeitskräfte für das – im Prinzip unbestrittene – Ziel eines Mehranbaus von Nahrungsmitteln nicht über freie Arbeitsverträge angestellt, sondern mit militärischem Zwang rekrutiert worden. Bereits ab Herbst 1917 mussten Angehörige des Hilfsdienstes der Armee sowie ausländische Deserteure und «Refraktäre» (ausländische Staatsangehörige, die in der Schweiz blieben, um dem Kriegsdienst in ihrer Heimat zu entgehen) unter militärischem Zwang Ernteeinsätze und Meliorationsarbeiten leisten.

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Hier folgen in den nächsten Wochen laufend weitere Artikel und Berichte zu spannenden Fragen rund um den Landesstreik.

Wie verlief der Landesstreik auf dem Lande?

Wie in der Westschweiz?

Wie im Tessin?

Was war mit den Frauen im Landesstreik?

Wie kommunizierten die Streikenden untereinander?

Welche Auswirkungen hatte der Landesstreik auf das Zusammenleben in der Schweiz?

Was hat die 250‘000 Beteiligten motiviert, die Arbeit niederzulegen?

Wofür haben sie gekämpft?

Wofür haben die nachfolgenden Generationen von Genossinnen und Genossen in den letzten 100 Jahren gekämpft?

Wir stellen die Forderungen nach mehr politischer Teilhabe, mehr sozialer Sicherheit und mehr sozialer Gerechtigkeit von 1918 auf den Prüfstand: Wo steht die Schweiz heute?

Was haben wir erreicht?

Worauf können wir stolz sein?

Was ist in Gefahr?

 

In unserer Agenda weisen wir auf interessante Veranstaltungen und unter der Rubrik Anzeigen auf informative Links zum Thema hin.

 

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